Bölkow BO 46

Bölkow BO 46

Der Hubschrauber Typ BO 46 war ein Projekt des deutschen Hubschrauberherstellers Bölkow GmbH. Es wurde ab 1961 ein Prototyp BO 46V1 mit der Kennung D-9514 gebaut, der am 30. Januar 1964 in Neubiberg auch flog. Das Programm wurde Anfang 1965 eingestellt. Der Hubschrauber BO 46 basierte auf dem Prinzip des Derschmidt-Rotors.

Die Rotorblätter vollführen durch das Schwenkgelenk bereits eine geringe Schwenkbewegung gegen oder mit dem Luftstrom der Flugrichtung, die aber mit – meist hydraulischen – Dämpfern begrenzt und gedämpft wird.

Dipl.-Ing. Hans Derschmidt verfolgte schon seit 1946 die Idee und hatte ein Patent darauf, das vorlaufende Rotorblatt dem Luftstrom viel weiter nachgebend zurück- und das rücklaufende Rotorblatt entsprechend dem Luftstrom voreilend vorzuschwenken. Dadurch würde sich die Blattspitzengeschwindigkeit verringern und dieser Gewinn für die Erhöhung der Fluggeschwindigkeit nutzbar sein. Derschmidt erwartete bis 500 km/h mögliche Vorwärtsgeschwindigkeit solcher Hubschrauber. Im Nebeneffekt wäre die aerodynamische Belastung/Leistung an den voreilenden und rückeilenden Rotorblättern bei weniger Vibrationen gleichmäßiger verteilt.

Derschmidt vergrößerte daher die Schwenkbewegung am Rotorblatt auf bis zu +/- 40° je Umlauf und je nach Geschwindigkeit. Im Schwebeflug war die Schwenkbewegung praktisch gegen Null, bei voller Geschwindigkeit am vorlaufenden Blatt bis -40° und analog +40°am rücklaufenden Blatt. Derschmidt war sich bewusst, und das war der Inhalt des Patents, dass alle Bewegungen harmonisch miteinander (in Resonanz) abgestimmt sein mussten, um kinematisch und aerodynamisch keine Zusatzbelastungen zu erzeugen. Sie hätten den positiven Effekt wieder zunichtegemacht. Er wies das Prinzip theoretisch und experimentell nach, fand Fürsprecher in der Wissenschaft und Forschung und Bölkow erklärte sich bereit, mit Derschmidt als Mitarbeiter und entsprechenden Fördermitteln des Forschungs- und des Verteidigungsministeriums den Rotor und einen Hubschrauber zu entwickeln. Es wurde ein Rotorsystem mit 6 m Durchmesser für Prüfstandsversuche und ein Rotorsystem mit 10 m Durchmesser für den Flugbetrieb im Hubschrauberprogramm BO 46 gebaut.

Das Projekt erhielt die Bezeichnung BO 46. Welche Gesetzmäßigkeit sich hinter dieser Bezeichnung zur zum Beispiel parallel in Entwicklung befindlichen BO 105 und den früheren Mustern BO 102 und BO 103 verbarg, ist unbekannt.

Der Rumpf der BO 46 erhielt eine windschnittige, einem Tragflächenflugzeug ähnliche schlanke und aerodynamisch günstige Form. In der Kabine waren zwei Sitze nebeneinander vorgesehen. Das Interesse der Militärs kam nicht von ungefähr. Man hatte damals schon die Qualitäten des Hubschraubers als Kampfmittel erkannt, was dann auch später in Forderungen zum Panzerabwehrhubschrauber mündete. Die BO 46 war aber im technischen Ansatz noch ein Experimentalsystem und wäre erst in einem weiteren Schritt “militarisiert” worden.

Nach erfolgversprechenden Versuchen mit dem Prüfstandsrotor stand Ende 1963/Anfang 1964 das fliegende System zum Erstflug bereit. Beim ersten Schwebeversuch zeigten sich ernste Probleme in der Steuerbarkeit. Eilig durchgeführte Änderungen an der Steuerungshydraulik (Verdopplung des Hydraulikdruckes) brachten keine Besserungen. Erst breitere Untersuchungen zeigten, dass das System auf eine sehr genaue und schnelle Lageregelung ohne Totzeiten angewiesen war. Umfangreiche Änderungen waren notwendig und es kam im Herbst 1964 zu weiteren Schwebeflügen. Es zeigte sich, dass das System schon im Schwebeflug ohne dem Vor- und Rückwärtsschwenken der Rotorblätter in seinem Zusammenspiel zu komplex und zu empfindlich war um Vorwärtsflüge zu wagen. Nach Fehlschlägen mit dem Prüfstandrotor, die auch noch Materialprobleme aufzeigten, wurde das Programm eingestellt.

Text aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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